|
Nur ein Funken Leben - Vom Umgang mit
glücklosen Schwangerschaften
Zu dem Vortrag der von der Hospizgemeinschaft Schwetzingen in Zusammenarbeit
mit dem Waldorfkindergarten veranstaltet worden war, kamen nicht sehr
viele Zuhörer, verständlicherweise, denn wer mag sich schon
mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass eine Schwangerschaft nicht mit
dem frohen Ereignis, sondern mit dem Tod des Kindes enden kann.
Und doch wäre es, wie auch sonst für den Bereich Tod und Sterben
-und nichts ist sicherer auf der Welt, als dass dieser jeden Einzelnen
von uns erreichen wird-
wichtig, sich vorher Gedanken darüber zu machen was man tun will,
wenn es soweit ist.
Sehr anschaulich wurde dies in dem Teil des Vortrages, der von Frau Beisel,
der Ansprechpartnerin für die Initiative "Leere Wiege",
gehalten wurde. Diese ist der "Initiative Regenbogen", einer
Selbsthilfeorganisation von Eltern, die ihr Kind vor, während oder
kurz nach der Geburt verloren haben, angeschlossen. Frau Beisel berichtete,
dass Frauen, die schon vor vielen Jahren von einem solchen Ereignis betroffen
gewesen waren, gesagt hätten, sie seien ganz anders damit umgegangen,
wenn sie das alles damals schon gewusst hätten.
Was gibt es da zu wissen?
Einiges Wichtige wurde schon im ersten Teil des Vortrages, gehalten von
Frau W. Kreuter, Frauenärztin in Germersheim, deutlich. Nach einem
kurzen Überblick über die Anzeichen für, die Ursachen von
und die Maßnahmen bei Fehl- und Frühgeburten in den verschiedenen
Schwangerschaftsphasen riet sie vor allem zu einem: Zeit lassen für
die Entscheidungen! (Welche Klinik wird gewählt? Wer soll dabei sein?
Was wird gleich nach der Geburt geschehen? Wo hole ich mir Rat und Hilfe?)
Es sei ein weitverbreiteter Irrglaube, dass bei solchen Ereignissen schnell
gehandelt werden müsse, dass da z.B. das "Leichengift"
(das es nicht gibt!) das Leben der Mutter bedrohe. Aber auch da gebe es
natürlich Ausnahmen, wie z. B. ein starke Blutung.
Mitbetroffenen Verwandten und Freunden riet sie vor allem dazu, mutig
zu sein und das Thema nicht auszusparen über das die Mütter
jetzt am liebsten reden wollten: ihr totes Kind. Auf keinen Fall seien
gutgemeinte Tröstungen wie "du bist ja noch jung... kannst ja
noch viele Kinder haben... hast ja schon eines... da war doch noch so
gut wie nichts..." hilfreich, denn diese würden die Eltern der
Zeit und des Raumes, den sie für ihre Trauer brauchten, berauben.
Im zweiten Teil des Vortrages stellte Frau Beisel einige Möglichkeiten
vor, die den Verlust des Kindes bearbeitbar und betrauerbar machen können:
sie betonte vor allem Anderen die Bedeutung dessen, dass die Eltern ihr
Kind sehen dürfen. Wollten sie es nicht, so sollte auf jeden Fall
ein Foto gemacht werden, damit sie es ggf. nachholen könnten. Sie
betonte, dass man keine Angst vor dem Anblick der Kinder zu haben brauche,
denn auch sie seien schön wie alle Neugeborenen Kinder. Außerdem
stellte sie das sog "Moseskörbchen" vor, einen kleinen
mit Tüchern ausgeschlagenen Korb in den das Kind liebevoll gebettet
und mit den Tüchern umhüllt werden kann, so dass die Eltern
es bei sich stehen haben können und erst dann die Tücher zurückschlagen
um es zu sehen, wenn sie soweit sind. Das Kind sollte auf jeden Fall einen
Namen und seinen Platz in der Geschwisterreihe bekommen. Das nächste
Kind das käme sein nicht dieses Kind, betonte sie. Seit kurzem erst
-und das sei ein Verdienst der "Initiative Regenbogen"- sei
es gesetzlich verankert, dass Kinder ab 500 g Geburtsgewicht beerdigt
werden müssten (vorher ab 1000 g). Wenn man es wolle und sich darum
bemühe, könne man aber auch Kinder unter 500 g beerdigen lassen.
Dies sei entweder in einem Einzelgrab möglich oder, wie z.B. in Germersheim,
in einem speziell für diesen Zweck geschaffenen Grab mit einem dafür
gestalteten Grabstein. Dort findet einmal im Jahr eine Trauerfeier für
alle in diesem Jahr gestorbenen Kinder, ihre Eltern und Geschwister statt.
Sie zeigte spezielle, ganz kleine Kindersärge und erzählte an
einigen Beispielen die ganz individuellen Gestaltungsmöglichkeiten
der Trauerfeier und des Begräbnisses für das Kind. So wies sie
z.B. darauf hin, dass Eltern sich das Tragen und Hinablassen des Sarges
nicht aus der Hand nehmen zu lassen bräuchten.
Bei Fragen kann gerne Kontakt aufgenommen werden mit
Frau Helga Beisel
Fuchsbachweg 1
67378 Zeiskam
Tel.: 06347/455
Auch in Mannheim gibt es eine Gruppe der "Initiative Regenbogen",
Kontaktperson ist
Frau Doris Wille-Gottmann
Eichendorffstr. 49
68167 Mannheim
Tel.: 0621/4016955
Verantwortlich
für den Inhalt:
Hospizgemeinschaft Schwetzingen
Graziella Reinicke, Schwetzingen
|